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Vincent Rein Interview

Vincent Rein Interview

Das neue Album von Vincent Rein Quintett „Variants“ welches am 26 Juni auf Radau Records erschienen ist besticht durch den treibenden Bass-Sound von Vincent Rein. Der Sound hat den Drive von Art Blakey mit viel Hard Bop aber auch viel persönliche Erfahrungen eines jeden Mitglieds fließen mit ein. Das Quintett ist hier perfekt aufeinander abgestimmt.

 

Zu diesen Themen hatte ich die Gelegenheit mit Vincent Rein ein Interview zu führen.

 

Das Album könnt ihr hier erwerben:

 

https://vincentrein.bandcamp.com/album/variants

 

Schön, dass du Zeit hast ein paar Fragen für jazzreporter. com zu beantworten

 

Der Titel des Albums ist auch der Name des letzten Songs auf der CD. Was bedeutet das genau?

 

Der Titel des Albums ist auch der Name des letzten Songs auf der CD. Es war eines der letzten Stücke,die ich für die Aufnahme geschrieben habe, und ist mein persönlicher Liebling. Das Lied bewegt sich in konstanter Veränderung und spannt einen breiten Bogen, bis sich Anfang und Ende fast schon wie in einem Kreis verbinden. Für das Album finde ich diese Analogie auch sehr passend. Die sieben Stücke sind zum Teil schon älter und bewegen sich quasi als verschiedene „Varianten“ meines Kompositionsstils durch die Zeit.

 

Wie kam deine Band auf dem Album zustande?

 

Nachdem ich von München, wo ich studiert habe, wieder zurück in meine Heimat nach Österreich gezogen bin, wusste ich, dass ich am Land die Fäden wieder selbst in die Hand nehmen muss. Als Bassist*In ist man oft in einer bequemen Situation, dass man für Gigs und Jobs angerufen wird und sich selbst weniger darum kümmern muss. Mit dem Verlassen der Großstadt fällt da einiges weg. Ichwollte mich aber von dieser Veränderung nicht einschüchtern lassen, sondern sie als Chance sehen, meinen eigenen Weg als Künstler zu starten. Mit diesem Plan im Kopf wusste ich sofort, wie die Besetzung der Band aussehen muss. Max und Michael sind Freunde aus meiner Studentenzeit in München, die mich die ganzen Jahre begleitet haben. Konstantin und Fabio kommen zwar aus meiner Gegend, wirklich kennengelernt habe ich sie aber erst nach dem Studium. Wie viele aus meinem Bundesland hat es die beiden zum Studieren nach Wien gezogen, weshalb es etwas gedauert hat, bis wir uns zum ersten Mal begegnet sind.

 

Wie hast du dich an die Stücke herangearbeitet?

 

Der Impuls zum Komponieren kann sich bei mir an mehreren Stellen entfachen. Aus starken Emotionen oder wenn ich etwas Interessantes in einem anderen Song entdecke, den ich gehört habe. Wenn mir ein Song gefällt – egal ob Pop, Jazz, Metal oder Klassik –, gibt es oft eine Passage, die mich fesselt und inspiriert. Diese Passage MUSS ich dann verstehen, wie sie funktioniert, um mit der neu gewonnenen Idee selbst experimentieren zu können.

Wie sind die Stücke entstanden – hast du dich wochenlang hingesetzt und alles am Stückgeschrieben?

 

Es gibt Songs auf dem Album, die schon etwas älter sind, und welche, die ich wirklich nur für dieses Album geschrieben habe. Es ist eine Mischung aus Vergangenem und Neuem, die in die Zukunft blickt. So entstand ein Sammelsurium, das ich für das Album gefiltert habe. Wenn ich am Komponieren bin, sitze ich meist über Tage an einem Song, bis ich damit zufrieden bin. Ältere Nummern mitzunehmen, gab mir aber die tolle Gelegenheit, Passagen mit neuem Wissen und neuen Ideen aufzupolieren, die ich früher nicht hatte.

 

Der Sound von deinem Album erinnert an den Hard Bop – war das für dich eine Inspiration?

 

Es ist schön, dass du diese Frage stellst! Tatsächlich wollte ich mit dem Quintett die Energie und die Leidenschaft beim Spielen ähnlich wie bei den von Art Blakey geleiteten „Jazz Messengers“ transportieren. Es ist einfach ein farbenreicher Klangkörper, der so flexibel und druckvoll agieren kann, dass er mich immer schon begeistert hat.

 

Was willst du mit deinem Debütalbum sagen?

 

Es soll ein „Hallo!“ in die Welt sein. Für mich ist es wichtig, dass ich einen Platz für meine eigenen

Kompositionen habe und sie mit dem Album nach außen tragen kann. Eine kurze Biografie zum Einstieg in alles, was hoffentlich noch kommt.

 

Deine Band ist sehr europäisch – ist Jazz für dich universell?

 

Es gibt natürlich viele Unterkategorien im Jazz und ich bin mir nicht immer sicher, ob ich die ständige Kategorisierung toll finden soll. Menschen mögen es gerne, Dinge einordnen zu können, damit sie das Gefühl bekommen, sie zu verstehen. Jazz definiert sich meiner Ansicht nach durch das Element der Improvisation. Melodien und Rhythmen, Chaos und Ordnung finden sich auch in vielen anderen Musikgenres, aber das gemeinsame Improvisieren ist ein Jazz-Spezifikum. Die Art, wie man als Mensch sozialisiert wird, hängt stark von der Umgebung ab, in der man aufwächst. Wahrscheinlich ergeben sich dadurch Muster, die man europäischen, afrikanischen oder amerikanischen Wurzeln zuschreiben kann. Ich nehme an, wir können uns darauf verständigen, Jazz als Oberbegriff zu verwenden, der vieles einfängt – genau so, wie diese Musik geboren wurde: durch Einflüsse von

 

Menschen, die verstreut auf der Erde aufgewachsen sind und sich zusammengefunden haben.

 

Wo siehst du deine Band in fünf Jahren?

 

Ich hoffe, mit meinem Quintett einfach immer öfter spielen zu dürfen und dass wir uns als Bandetablieren können. Im besten Fall dürfen wir in den schönen Jazz-Clubs dieser Welt spielen!

 

Planst du, weitere Aufnahmen zu veröffentlichen?

 

Ja, es ist furchtbar! *lacht* Eigentlich müsste ich im Kopf voll und ganz bei der Bewerbung des Albums sein, aber ich hätte schon neue Songs und Ideen, die ich gerne aufnehmen würde! Eine zweite, dritte, vierte … CD wird hoffentlich in den nächsten Jahren folgen. Musik zu schreiben und aufzunehmen ist einfach eines der schönsten Dinge auf der Welt und ich werde es hoffentlich so oft wie möglich wiederhole

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