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Maxmillian Hering: the gathering

Maxmillian Hering: the gathering

 

Jazz hat sehr viele Einflüsse, das wurde mir erst bewusst, als ich das neue Album von Maxmillian Hering „The Gathering“ hörte, denn neben Blue Note Sound hören wir auch viel spanische Musik und auch guten Straight Ahead Jazz.

Hört euch sein Album an-mir gefallen seine Kompositionen, denn sie sind feinfühlig haben viel Herz, aber bieten auch viel Raum für die Solisten der Band.

Ich hatte die Möglichkeit Maximilian Hering zum neuen Album zum Interviewen.

Noch mehr Infos zum Album findet ihr hier:

 www.maxhering.com

Hallo Maximilian schön, dass du Zeit hast für jazzreporter.com!

 

Dein neues Album klingt wie in Album aus den 50er und 60er Jahren und mit dem Liebe handelt gleich zwei Songs von dir? War das deine Absicht?

 

Maximillian Hering (MH):

Danke, das empfinde ich als Kompliment, was deine Assoziation vom Klang des Albums angeht. Die Musik und der allgemeine Sound sind definitiv angelehnt an Alben aus der Jazz-Hoch-Ära, wie z.B. auf Blue Note Records. Auch sind wir als Spielerpersönlichkeiten sicherlich stark von Vorbildern aus der Zeit geprägt, schon alleine die Besetzung assoziiert man wohl als erstes mit Ornette Coleman.

Gleichzeitig wollten wir aber auch viele neue Einflüsse zulassen und Stile vermischen, die für traditionelle Jazzverfechter fremd scheinen. Ich kann vor allem für mich am Schlagzeug und meine Kompositionen sprechen, dass ich da sehr viele andere Einflüsse und Ideen habe und diese ohne

„Rücksicht auf Tradition“ mit einbaue.

Die Liebesthematik in ein paar der Stücke stellt einen kleinen Wechsel zum letzten Album der Band, Nostalgia, dar, wo es um einen sehnsüchtigen Rückblick auf meine Zeit in Barcelona, Trennungs- und Trauerschmerz ging und auch wütendere Stücke wie Too Bad for You oder Frust dabei waren.

Diesmal geht es um andere Themen. Natürlich hängt „519 km is too far for kissing you“ auch mit Schmerz zusammen, auch wenn es in dem Fall nicht um Verlust geht, sondern um eine Fernbeziehung, die mit dieser Distanz angefangen hat.

 

Wie groß ist der spanische Einfluss auf dem Album?

 

  MH:

Definitiv spürbar, aber das liegt vor allem daran, dass ich erstens bewusst für die Musikerinnen und Musiker geschrieben habe und zweitens ihr eigener Sound ihre Herkunft nicht versteckt, sondern ab und zu mal durchblitzen lässt. Damit das nicht falsch rüberkommt: Das Album klingt nicht nach Flamenco oder anderer folkloristischer Musik der iberischen Halbinsel, aber ich finde, dass gerade die Soli und improvisierten Anteile einen anderen Drive und Spirit haben als wenn ich die Musik mit Leuten aus Köln eingespielt hätte.

 

Wie kam der Kontakt mit Lucia Fumero zu Stande?

MH:

Ich kannte ihre Musik schon länger und mochte ihren Stil sehr, weil er viele Latin-Einflüsse hat und nicht nach „Ich habe Jazz studiert“ klingt. Lucia hat ihre eigene Stimme am Klavier und das erschien mir spannend als Ergänzung zu dem sonst „harmonielosen“ Quintett. Persönlich kannten wir uns allerdings nicht, sodass ich ihr dann einfach eine Nachricht auf Instagram schrieb, sorgsam durchdacht und voller Spannung auf ihre Reaktion. Die kam dann gleich nach fünf Minuten, so ungefähr mit der Aussage: „Wie cool, klar ich mache gerne mit!“. Das freute mich natürlich sehr und ich schrieb insgesamt zwei Stücke für diese erweiterte Besetzung. Persönlich lernten wir uns dann erst am Tag der Aufnahme im Studio in Barcelona kennen.

Ist es dir wichtig, dass ein Jazz Album ein Konzept hat? Oder ist für dich ein Album nur eine Ansammlung von Songs?

  MH:

Spannende Frage. Ich finde es auf jeden Fall von Bedeutung, dass die Stücke auf einem Album gut zusammenpassen. In wieweit man beim Konzipieren im Vorfeld schon das große Ganze sehen kann, darf mal mehr oder weniger ausgeprägt sein. Es ist auch vollkommen berechtigt, wenn sich das erst im Prozess des Machens entwickelt. In unserem Fall war nur klar, dass sich das Konzept des ersten Album nun erweitern soll, also ein Gast hinzukommen und auch Stücke der anderen Bandmitglieder auf das Album kommen sollten. Letztendlich sind so recht vielseitige 43 Minuten Musik zusammengekommen, das Konzept ist unsere Grundbesetzung und die Art und Weise, wie wir die Kompositionen interpretieren. Da wir inzwischen recht verstreut leben, benennt „The Gathering“ auch schlichtweg diese Zusammenkunft der Band.

 

 Wie kam es denn überhaupt zu Gründung der Maximilian Hering Group?

 

  MH:

Das geschah schon vor über 7 Jahren in Barcelona. Ich machte dort am Ende meines Bachelorstudiums ein Erasmus-Semester am Conservatori Liceu und wollte unbedingt ein kleines Konzert mit Musikern von dort organisieren. Mir gefiel die Idee, ein Quartett zu haben, aber nicht auf das zweite Melodie-Instrument verzichten zu müssen. So fragte ich den damaligen Trompeter Félix Rossy, den Saxophonisten Edu Cabello und den Kontrabassisten Peru Peñafiel, alles Musiker, die ich auf den Jam Sessions in der Stadt kennengelernt hatte. Wir spielten eine Auswahl meiner Stücke, Repertoire von Ornette Coleman, Thelonious Monk und Wayne Shorter in dem sehr authentischen Club „23 Robadors“ im Herzen der Stadt. Nach dem Gig hatten alle Lust, weiter zu machen und so blieb die Besetzung bestehen und wurde zur Maximilian Hering Group. Inzwischen sind wir zu fünft und mit Fernando Brox, Victor Carrascosa, Edu Cabello, David Muñoz und mir kaum noch in Gründungsbesetzung. Doch ich könnte mir keine tolleren Mitmusiker wünschen.

 

Wie würdest du deinen Sound beschreiben was macht dein Spiel so besonders?

 

  MH:

Mir ist zum einen in meinen Bands und auf meinen Alben wichtig, dass sie nicht wie „Schlagzeuger- Musik“ klingen. Ich sehe mich immer als Teil der Band und im Dienste der Musik.

Gleichzeitig finde ich im musikalischen Ausdruck Überzeugungskraft und Eindeutigkeit wichtige Parameter. Ich mag nicht, wenn um den heißen Brei herumgespielt wird. Interaktion mit dem was um mich herum passiert, die Balance aus Raum einnehmen und Platz lassen, Impulse geben und auf andere Impulse reagieren, all das versuche ich stets zu berücksichtigen.

So wie ich mich selbst wahrnehme und Aussagen von Musikerinnen und Musikern über mich deute, kann ich übertrieben gut mit Dynamik umgehen, was nicht viele Schlagzeuger können. Mein Sound ist warm, voll und sehr differenziert und ich kann ihn sehr gut kontrollieren, egal auf welchem Schlagzeug und in welchem Raum ich spiele. Ich pushe die Band, aber spiele nicht alles voll. Ich bin auf der Bühne wirklich komplett in die Musik eingetaucht und schließe inzwischen den Großteil der Zeit die Augen.

In der Maximilian Hering Group ist mein Spiel eine Kombination aus europäischem Jazz und Einbeziehung amerikanischer Jazztradition. Das macht meinen Sound zu einer spannenden Mischung.

Wie siehst du deine Rolle als Schlagzeuger deiner Band?

MH:

Wie schon oben erwähnt, dient mein Spiel dem Ausdruck der Musik, die gespielt wird. Es ist eine Rolle wie die des Steuermanns auf einem Schiff, denn mein dynamischer, rhythmischer und klanglicher Input hat größtmögliche Auswirkungen auf die restliche Band. Fairerweise sehe ich auch für denjenigen am Bass eine ähnlich große Verantwortung, die sich mehr in die harmonische Richtung verlagert und dafür in Dynamik und Rhythmik vielleicht einen Hauch weniger Verantwortung trägt.Umso glücklicher bin ich mit meinem Bassisten David Muñoz auf dieser Position.

 

Die Bläser sollen größtmögliche Rückendeckung, Inspiration und Interaktionsmöglichkeiten durch mich am Schlagzeug geboten bekommen. Ab und zu spiele ich mich dann doch mal kurz in den Vordergrund, aber sonst gefällt mir diese Rolle als Steuermann, oder auch Torwart.

 

 

Hast du nicht manchmal die Befürchtung, wenn deine Musik zu frei ist, dass du damit dein Publikum überforderst?

MH:

Doch, auf der anderen Seite glaube ich, dass meine Musik eine gute Mischung aus Melodie und Freiheit ist. Wenn eine Komposition eine greifbare Melodie hat, sind freie Improvisationen drum herum in einem zugänglicherem Kontext eingebettet. Spätestens live habe ich schon von vielen Leuten tolle Rückmeldungen bekommen, die sonst vielleicht nicht so auf freieren Jazz stehen.

 

Natürlich ist mir bewusst, dass die Art der Musik keine große Hörerschaft hat, was ich sehr schade finde.          Viele stempeln Jazz mit freieren und auch mal dissonanten Elementen gleich als etwas ab, das sie emotional nicht berühren kann, obwohl das sehr wohl passiert. Die Freiheit in dieser Musik macht sie eigentlich viel spannender als Musik, die rein nach Normen und Regeln geschieht, denn bei letzterem fehlt doch jegliche Überraschung, oder?

RouteA66 ist dein Route 66 oder?

  MH:

Genau, ich mag es, gerade bei der Titelwahl von Stücken, ab und zu mal etwas mit einem Augenzwinkern zu benennen. Route A66 hat kompositorisch null mit dem amerikanischen Standard zu tun, aber ich wollte was mit der Tatsache anstellen, dass wir in Deutschland auch eine Schnellstraße mit der Nummer 66 haben und ich in Mainz direkt dort in der Nähe aufgewachsen bin (und bis vor zwei Jahren auch erneut dort wohnte). Beim Komponieren des Stücks stellte ich mir die drängelnden Autofahrer auf ihrem Weg nach Frankfurt vor, wie sie aufs Gas treten als ginge es um Leben und Tod. Es ist letztendlich eins meiner Lieblingsstücke auf dem Album geworden.

 

 

Planst du eine Tour durch Deutschland mit diesem Album?

 

MH:

 

Ja, im Mai kommt die Band nach Deutschland und wir spielen wahrscheinlich fünf Konzerte, worauf ich mich sehr  freue. Los geht’s am Sonntag, den 3. Mai 2026 in der Walkmühle Wiesbaden für den Verein Kooperative New  Jazz, dann am 4. Mai in Pforzheim im domicile und am 7. Mai in Hamburg bei der Jazzfederation. Zwischendurch kommen wir am 6. Mai in Köln in der Fiffibar vorbei, der 5. Mai ist noch nicht betätigt. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei einem der Konzerte sehen!

 

 

Danke für deine Zeit !

 

MH:

 

Sehr gerne, danke für das Interview!

 

Danke für deine Zeit !

MH:

Sehr gerne, danke für das Interview!

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