Interview: Malte Dürrschabel- über das Album Con Alma
Das kleine Kölner Label “JazzJazz” bringt immer sehr interessante CDs heraus. Ich habe mir schon ein paar vorgestellt und neulich habe ich mir das Album “Con Alma” vom Cologne Jazz Quartett angehört.
Das Album groovt und hat einen tollen Drive und es klingt so, als ob es Live aufgenommen worden ist. Ich habe mich darüber mit dem Tenorsaxophonisten Malte Dürrschnabel ausgetauscht, der auf dem Album Tenorsaxophon spielt.
Wie hat sich das Cologne Jazz Quartett gebildet?
Eigentlich ist das Cologne Jazz Quartet aus der Coronakrise entstanden. Henning Gailing, unser Bassist, hat einen super Proberaum in Köln und hat Billy Test und mich zum Jam eingeladen. Da aus bekannten Gründen in dieser Zeit kaum Konzerte stattfinden konnten, wir aber trotzdem Lust hatten zu spielen, haben wir zu dritt daraus eine regelmäßige Session gemacht, immer mittwochs und sonntags abends, das ganze machen bis heute, allerdings mittlerweile auch mit Schlagzeug, seit es da keine Corona bedingten Abstandsregelungen mehr gab.
Ziel war es, sowohl im Training zu bleiben, als auch gemeinsam ein neues Repertoire zu erarbeiten. Wir hatten alle drei Lust, uns mit verschiedenen Phasen des Jazz auseinanderzusetzen. Wir hatten zum Beispiel mal eine Phase, da haben wir viele Bill Evans Stücke gespielt, dann wieder eine Chick Corea , in letzter Zeit sind einige Shorter und Herbie-Stücke vorbeigeflogen.
Hat Köln ein besonderes Faible für Jazz?
Das kann man auf jeden Fall so sagen. Als eine der ältesten Jazz Abteilungen Europas an der Musikhochschule und eine lange Zurückreichen Bigband Tradition und einer lebendigen Clubs Szene.
Es gibt hier in Köln auf jeden Fall unglaublich viele sehr sehr gute Jazzmusiker. Das finde ich sehr inspirierend und ist für mich deshalb auch ein guter Platz zum Leben.
Wer hatte die Idee zu der Plattenaufnahme Con Alma?
Die Idee, eine Aufnahme zu machen, ist natürlich aus unserer regelmäßigen Session entstanden. In die Hand genommen hat das Ganze dann Henning Gailing. Er hat alles eingetütet und auch die Idee dafür, Dennis Mackrel zu fragen.
Wie würden Sie den Malte Dürrschnabel Sound bezeichnen? Ich höre etwas Scott Hamilton und Harry Allen raus.
Puh, schwere Frage! Scott Hamilton und Harry Allen gehören auf jeden Fall zu meinen Vorbildern. Ich habe natürlich auch ganz viele andere Einflüsse… Angefangen von meinen Lehrern Peter Weniger und John Ruocco, ….. Ferdinand Povel finde ich unglaublich, besonders die Art und Weise, wie er Time spielt. Und dann eigentlich auch alle anderen (Coltrane, Cannonball, Bird, Charlie Rouse, Rollins, Brecker,.) Alle hinterlassen irgendwie ihre Spuren. Mein Sound ist wahrscheinlich relativ unaufgeregt, ich strebe generell nach Deutlichkeit und Klarheit. Ich würde zum Beispiel sehr, sehr gerne auf dem Saxophon so deutlich und knusprig spielen können wie Clark Terry auf der Trompete
Wie haben Sie die Songs ausgewählt, spielen da die Favoriten Ihrer Mitspieler eine große Rolle?
Die Auswahl der Stücke ist eigentlich auch wieder auf unsere regelmäßige Session zurückzuführen. Es ist einfach ein Auszug aus den Stücken, die wir damals zusammen gelernt und gespielt haben. Daraus haben wir versucht, eine einigermaßen stimmige Auswahl zu treffen, die für so ein Album passen könnte.
Die Songs sind überwiegend aus den Great American Songbooks bzw. dem klassischen Jazz Canon. Was reizt Sie an diesen Liedern?
Für mich bildet das Great American Songbook einfach die Basis als Jazzmusiker. Es ist die Quelle der Inspiration. Viele Melodien sind einfach so stark und so gut und deshalb war es mein Traum eine Band zu haben, die sich mit diesen Kompositionen etwas tiefergehender auseinandersetzt.
Ich glaube einfach daran, wenn man diese Melodien intuitiv im Hinterkopf gespeichert hat, beeinflusst das langfristig auch die eigene Improvisationssprache.
Die Band hat eine wunderbaren Flow- was macht diese Band besonders aus?
Ich glaube, das liegt einfach daran, dass wir sehr oft zusammenspielen. Das baut unglaublich Vertrauen auf, alle können loslassen, keiner muss irgendjemandem etwas beweisen, meine Mitmusiker kennen mich in starken und schwachen Momenten. Wir können uns musikalisch nichts mehr gegenseitig vormachen. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir alle Time-Spieler sind. Jeder übernimmt Verantwortung hinsichtlich des Grooves.
Das Album klingt so, als ob es Live in einem intimen Club aufgenommen wäre, war das die Absicht?
Wir haben tatsächlich alle in einem Raum aufgenommen in den Riverside Studios in Köln. Es war also ein akustisches Setting. So kann man beim Aufnehmen zwar nicht viel reparieren, dafür war der Raumklang inspirierend und wir konnten ganz natürlich zusammenspielen. Dadurch, dass wir gut eingespielt waren, haben wir uns das getraut. Die Aufnahmen gingen auch unglaublich schnell… Wir haben um 11:00 Uhr angefangen, waren um 16:00 Uhr fertig und haben dann noch Videos und Fotos gemacht.
Sind aktuelle weitere Aufnahmen geplant bzw. gehen Sie bald auf Tour?
Konkret steht da jetzt gerade nichts an. Wir wollen garantiert irgendwann wieder etwas aufnehmen und wir würden natürlich auch gerne mehr spielen. Da wir aber alle in der Band weitere Verpflichtungen haben, Billy ist ja Pianist bei der Wdr Big Band, ich habe eine Stelle in der Big Band Der Bundeswehr, Henning leitet die Jazzabteilung an der rheinischen Musikschule in Köln, ist es nicht ganz unkompliziert, eine ganze Tour zusammenzustellen. Trotzdem freue ich mich über jedes Konzert, dass wir zusammen bestreiten und auch die regelmäßigen Abende, an denen wir ohne Publikum einfach zusammenspielen und versuchen, voneinander zu lernen.

Kommentar schreiben