Walter Lang Interview

Walter Lang Interview

Walter Lang ist hier im Blog schon seit einiger Zeit ein Begriff. Er ist auf Platten von Jenny Evans und Tuija Komi zu hören, beide Platten wurden hier vorgestellt. Auch das Trio Elf mit dem Brazilian Album wurde hier im Blog vorgestellt.

 

Ich hatte das große Glück, mit Walter Lang in München zu reden. Er wohnt seit Jahren in München, ist aber ein Schwabe geblieben.

 

Walter Lang wurde im Jahr 1961 in Schwäbisch Gmünd rund 50 km von Stuttgart geboren. Er wuchs in einer musikalischen Umgebung auf und ist seit den 80ern international unterwegs. Eine besondere Zeit war seine Zusammenarbeit mit dem Rick Hollander Quartet in den späten 80er und 90er Jahren. Sein eigenes Trio betreibt Walter Lang seit dem Jahr 1999 und ist damit besonders in Japan erfolgreich. In Deutschland kennt man Walter Lang besonders gut von dem Trio ELF, bei dem er seit dem Jahr 2004 ein Co-Leader ist. Aber er spielte auch mit Jazzstars wie Lee Konitz häufig zusammen. In jüngerer Zeit hat er ein Duo-Projekt mit Phillip Weiss.

 

Mehr über Walter Lang könnt ihr hier erfahren:

 

https://walterlang.de/bio.

 

Über alle diese Themen sprach ich mit Walter Lang an einem sonnigen Freitagnachmittag in München.

 

© Joseph Lambert, Seattle// Walter Lang / 2019
© Joseph Lambert, Seattle// Walter Lang / 2019

Jazzreporter: Wie sind Sie mit Musik in Berührung gekommen?

 

Walter Lang: Das war ganz früh. Ich bin auf einem Bauernhof bei Schwäbisch Gmünd aufgewachsen. Mein Opa hat Klavier gespielt und mein Vater Ziehharmonika. Dann war es kirchliche Musik, vor allem Bach, die mich bis heute noch prägt. Das erste, was ich an populärer Musik gehört habe, war Heintje und im Teenageralter ging es los mit den Glam-Rock-Bands  wie Sweet und auch Queen und die Beatles.

 

JP: Ich habe gelesen, dass Keith Jarrett sie beeinflusst hat. Gibt es dazu eine Geschichte?

 

WL: Ja, dazu gibt es eine Geschichte! Ich bin 1980 zum Trampen sieben Wochen in die USA gegangen. Gleich am ersten Tag  hat mich jemand eingeladen, bei ihm zu übernachten. Das war damals so üblich in den USA, dort sah ich eine Broschüre mit dem Hinweis, im Berklee College of Music „Rockmusik“ studieren zu können.

 

Ich fand das beeindruckend, hatte zu der Zeit kaum Berührung zum Jazz und zwei Jahre später habe ich mich dort angemeldet und bin dort ein halbes Jahr geblieben. Das Erste, was mein Lehrer vorgeschlagen hat, war „Autumn Leaves“, also ein Jazzstandard. Meine damaligen Roommates waren totale Jazz Fans und eines Tages empfahlen sie mir, ein Konzert von Keith Jarrett in der Avery Fisher Hall in New York anzusehen. Ich bin dann von Boston mit dem Greyhound Bus runtergefahren.

 

Dieses Konzert hat mein Leben verändert. Zuerst war ich irritiert von Keith Jarrett’s Bewegungen und seinem Tänzeln, nachdem ich meine Augen geschlossen hatte, konnte ich mich total auf die Musik einlassen und war hellauf begeistert. Als Zugabe gab er „Over The Rainbow“.

 

Dieses halbe Jahr in Boston hat mich geprägt und ich wusste schon bereits nach zwei Wochen, dass Musik mein Leben bestimmen sollte.

 

JP: Was hat Ihnen an der Berklee School of Music besonders gefallen?

 

WL: In Berklee konnte man viele Sessions spielen und traf Musiker aus der ganzen Welt.  Ein Lehrer am Berklee College of Music war damals Gary Burton. Natürlich war es mir nicht möglich, mit solchen Musikern live in Clubs zu spielen, denn ich war ja ein totaler Anfänger. Ich hatte mir das Studium zum Teil mit Pizza fahren finanziert.

 

Die Kosten waren auch der Grund, warum ich nach einem halben Jahr zurück gegangen bin und mir in Europa in Hilversum eine Musikhochschule gesucht habe, die ich mir auch leisten konnte. Das war 1984.

 

In Deutschland gab es zu der Zeit nur einen Studienplatz in Köln, wo man Jazzklavier studieren konnte. Daher war damals die Auswahl in Deutschland sehr begrenzt.

 

JP: Um die Zeit war die Gründung des Rick Hollander Quartet, mit dem Sie 5 CDs aufgenommen haben. Wie kam es dazu?

 

WL: Das Quartett wurde meiner Amsterdamer Zeit gegründet. Im Jahr 1986 habe ich angefangen, zahlreiche Gigs mit dem fantastischen Saxophonisten Tim Armacost zu spielen. Bei einem dieser Gigs hat mich Tim Rick Hollander vorgestellt. Kurze Zeit später wollte Rick ein Quartett gründen und frug mich als Pianisten.

 

In der Zeit von 1988 bis 1995 machten wir zahlreiche Touren durch Europa, die USA und auch Japan. Damals knüpfte ich meine ersten Kontakte zu japanischen Clubbesitzern.

 

JP: Welche Aufnahme vom Rick Hollander Quartet finden Sie besonders gelungen?

 

WL: Das ist die letzte Aufnahme „Once Upon a Time – A Tribute to Hoagy Carmichael”. Die haben wir bei Concord Jazz rausgebracht und in Saarbrücken aufgenommen. Es sind tolle Songs und großartig ausgearbeitete Arrangements. Um die Zeit reifte auch meine Entscheidung, ein eigenes Trio zu gründen.

 

JP: Sie haben im Jahr 1999 Ihr eignes Trio gegründet. Wie war die Anfangszeit?

 

WL: Als ich 1999 den Entschluss fasste, mein eigenes Trio zu gründen, habe ich mir überlegt, wie ich es richtig angehen sollte. Für eine Platte mit meinen eigenen Kompositionen dachte ich damals interessiert sich doch kein Mensch, das sehe ich heute anders, meine neue CD TENS enthält ausschließlich Eigenkompositionen.

 

Ich war damals und bin heute noch ein großer Fan von Charlie Chaplin. Er hat wunderbare Melodien geschrieben, obwohl er kein Musiker war. Er hatte aber immer ein Gefühl für schöne Melodien. Also habe ich aus seinen Filmen die Lieder rausgeschrieben. Die CD kam dann bei dem Label von Julius Pischl in Stuttgart raus.

 

Die Gründung des Trios war ganz natürlich: Schlagzeuger war  Rick Hollander und der Bassist Nicolas Thys, den ich aus der Band von Jason Seizer kannte.

 

Durch meine Kontakte zu den japanischen Jazzclubs aus der Zeit mit dem Rick Hollander Quartet habe ich in den 00er Jahren zahlreiche Touren in Japan gemacht. Auf meiner ersten Tour stellte ich die Charlie-Chaplin-CD dem Produzenten Hiro Yamashita vor. Hiro sagte mir, dass er mein Trio bekannt machen wollte, und verlegte sofort die CD auf seinem Label. Die CD war ein voller Erfolg in Japan und das Walter Lang Trio ist bis heute dort sehr populär.

 

JP: Wie ging es nach diesem Erfolg weiter?

 

WL: Danach wollte Hiro gleich ein weiteres Konzeptalbum machen, nämlich eines mit Beatles-Songs. Da ich schon immer ein großer Fan der Beatles war, war ich auch Feuer und Flamme für dieses Projekt. Zu der Zeit in den 00er Jahren war es noch eher ungewöhnlich, jazzige Interpretationen von Beatles-Songs zu spielen, aber ich war schon immer ein Fan von schönen und guten Melodien. Jazzmusiker haben das schon immer gemacht, Bill Evans war ein wahrer Meister darin.

 

Ein weiteres Highlight war das Konzeptalbum „Sound of a Rainbow“ mit Covers von ECM-Songs, welches ich in OSLO im legendären Rainbow Studio aufgenommen habe, wo schon viele ECM-Künstler aufgenommen haben. Die CD hatte wieder Hiro Yamashita produziert, der  Sound dieser CD ist fantastisch, leider ist sie mittlerweile vergriffen.

 

JP: Was war der Unterschied zwischen einem deutschen Jazzclub und Japan in den 90er Jahren ?

 

WL: Das war ein gewaltiger Unterschied. Aber wir reden hier vom Anfang der 90er Jahre. Es gab einen tollen Flügel, großartige Technik und einen ausgezeichneten Service und natürlich war die Bezahlung wunderbar. Wenn man das damals mit einem deutschen Jazzclub verglich, dann war ein durchschnittlicher Jazzclub manchmal eine Speisewirtschaft mit Musik, dementsprechend waren auch die Klaviere oft nicht gut gestimmt!

 

Viele japanische Jazzclubs sind auch heute noch edel mit tollen Ledersesseln und einem fachmännischen Publikum, welches alle Jazz-Standards kennt. Natürlich hat Deutschland diesbezüglich enorm aufgeholt, doch gibt es immer noch gewisse Unterschiede von Publikum und Ausstattung.

 

Auf Grund der japanischen Gesellschaftsstruktur, die sehr hierarchisch ist, wird man als Musiker sehr hoch eingestuft und wertgeschätzt.

 

JP: Ich bin großer Lee-Konitz-Fan und Sie haben zwei CDs mit ihm aufgenommen. Was schätzen Sie an Lee Konitz?

 

WL: Auch dazu gibt es eine Geschichte. Im Jahr 1995 gab es einen Saxophon-Workshop in Marktoberdorf mit Jürgen Seefelder, James Moody und Lee Konitz. Für diesen Workshop haben sie eine Rhythmus-Gruppe gebraucht. Ich war Teil dieser Rhythmus-Gruppe für diese Woche.

 

Seefelder spielte ein Wayne-Shorter-Programm und James Moody seine Songs. Lee hatte die Idee, gar nicht zu proben und Standards zu spielen. Das erste Stück spielte er mit dem Publikum, das zweite Stück mit dem Bassisten und das dritte mit mir. Er hat von Anfang an genau zugehört und hat sofort mit seinem Spiel auf mich reagiert, ein wundervolles Interplay. Es war sicher eines der schönsten Konzerte meines Lebens.

 

Danach trafen wir uns wieder um den 80. Geburtstag von Lee, als er beim Landesjugendjazzorchester Bayern Gastdozent war. Ich fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, eine Duo-Platte zu machen. Daraus ist die Platte ASHIYA entstanden, die Musik schrieb ich während einer Japan-Tour.

 

Danach folgte eine zweiwöchige Tour quer durch Europa. Lee interessierte sich nur für die Musik und für nichts anderes, nur darum hat er sich gekümmert. Natürlich habe ich ihn nach den Gigs auch nach seinen Erlebnissen gefragt. Allerdings war Lee kein Mensch, der Interviews oder Fotoshootings mochte. Er lebte nur für die Musik.

 

Dadurch ist er für mich ein Vorbild geworden in  den 15 Jahren, in denen wir  miteinander gespielt haben. Es gibt übrigens  noch eine unveröffentlichte Aufnahme aus dem Jazzclub Birdland.

 

JP: In den frühen 00er Jahren kam es zur Gründung des Trio ELF. Warum noch ein zweites Trio?

 

WL: Das ist eine berechtigte Frage!

 

Dazu muss ich etwas ausholen. Ich spielte um die Zeit mit Lisa Wahlandt, einer Sängerin aus München, und ihr Schlagzeuger war Gerwin Eisenhauer. Gerwin’ s Einflüsse waren Latin-Music, Rock und  elektronische Musik. Eines Tages hatte er die Idee, dass wir gemeinsam mit einem DJ bei einem Drum’n Bass Rave spielen. Ich spielte Fender Rhodes. Der Bassist war Sven Faller, der seinen Kontrabass Bass mit Effekten modulierte. Wir improvisierten frei zu der Musik des DJ’s.

 

Als der DJ mal eine Pause machte, haben wir einfach weitergespielt und festgestellt, dass uns der Sound gut gefiel, und so wurde Trio ELF geboren. Wir drei sind total unterschiedlich und wollten nie unbedingten Erfolg, sondern unsere Vorlieben in Trio ELF ausleben.  Aber natürlich hat uns der Zuspruch der jungen Leute sehr gut gefallen.

 

JP: In einer Kritik aus dem Jahr 2018 habe ich das Album „The Brazilian Music“ – Trio ELF feat. Marco Lobo vorgestellt. Wie kam es dazu?

 

WL: Im Laufe der Jahre haben wir unterschiedlichste Stücke gespielt, die uns gefielen, u.a. auch Standards von Monk oder Dave Brubeck. Vor ein paar Jahren machte ich einen Urlaub mit meiner Frau in Brasilien und bin dort in die Clubs als Zuhörer gegangen. Nach meinem Urlaub ginge auf  Tour mit Dusko Goykovich nach Serbien und ich lernte den Percussionisten Marco Lobo von der Billy Cobham Band kennen. Wir haben uns dann in Brasilien wiedergetroffen und haben begonnen in mehreren Projekten zusammen zu spielen. Ich habe ihm eine Trio-Elf-CD gegeben, ihm gefiel der Sound so gut, dass er unseren Trio-Elf-Sound mit traditionellen Liedern aus seiner Heimatstadt Bahia in Brasilien kombinieren wollte.

 

Auf der CD singen 5 sehr populäre brasilianische Sängerinnen(u.a. Maria Gadu) diese traditionellen Lieder, der große Vorteil war, dass sie mit den Liedern vertraut waren und sich somit sehr schnell auf unseren Sound einlassen konnten.

 

Trio ELF wird bis heute weltweit sehr gemocht. Junge Bands nehmen inzwischen unsere musikalische Herangehensweise als Vorbild.

 

JP: Ihre letzte Produktion war eine Aufnahme mit Sänger Phillip Weiss im Tonstudio Bauer. Was können Sie mir über dieses Projekt erzählen?

 

WL: Phillip Weiss ist einer der besten Sänger, die ich kenne. Er hat eine unglaubliche Affinität zum Komponisten Robert Schumann. Phillip singt auch hervorragend das klassische Repertoire. Das Problem ist, wenn man Klassik und Jazz kombiniert, dann kann das schnell affektiert klingen. Daher schrieb Phillip zu jedem Lied einen englischen Text und ich neue Arrangements für die  Schumann-Lieder. Die Platte ist das Ergebnis einer 2-jährigen Arbeit. Uns war bewusst, dass wir direkt auf „Schnürsenkel“ aufnahmen, aber wir hatten auch ein kleines Sicherheitsnetz, denn die Proben wurden aufgenommen. Die Atmosphäre war trotz der enormen Hitze sehr schön. Ein komplett junges Team im Bauer Studio mit einem tollen Toningenieur machte die Aufnahme zu einem unvergessenen Erlebnis.

 

JP: Was ist Ihre Meinung zum aktuellen Vinyl-Hype?

 

WL: Ich habe vom Tonstudio Bauer MP3-Dateien  mit der Aufnahme mit Phillip Weiss bekommen, weil wir die Stücke auswählen sollten. Das Klavier klang hart und es hat geklirrt. Als ich später dann die Platte bekam, klang es genauso, wie es klingen musste: dynamisch und schön.

 

Ich finde diesen Hype toll, denn es zeigt, dass die Leute die Musik wertschätzen, wenn sie so eine Vinyl-Platte kaufen.

 

Ein großes Geschäft können wir Künstler damit eh nicht machen. Wir bringen Tonträger raus, um den Leuten eine Freude zu machen. Ganz am Anfang meiner Karriere erzählte eine Frau im Jazzclub Villingen, daß sie eine Platte bei unserem letzten Konzert ein Jahr davor gekauft hatte und sie jetzt jeden Sonntag zum Frühstück höre. Da wurde mir klar, genau das ist der Grund, warum wir CDs und Platten machen.

 

JP: Ihre neue CD ist Tens. Was können Sie mir dazu sagen?

 

WL: Nach den 00er Jahren mit Rick Hollander und Nicolas Thys habe ich in den 10er Jahren mit Thomas Markusson (Bass) und Sebastian Merk (Schlagzeug) gespielt. Die Platten aus den 10er Jahren wurden bei einem japanischen Label verlegt und sind hier schwer zu bekommen. Also wollte ich zum Ende der 10er Jahre eine Platte bei Enja mit den besten Songs aus der Zeit aufnehmen, denn durch Enja ist die Platte weltweit zu haben.

 

Die Musik stellen wir im Rahmen einer Tour im Herbst in Deutschland vor. Wir haben sie im Februar 2020 in München kurz vor dem Lockdown aufgenommen. Am Schlagzeug sitzt diesmal Magnus Östrom von E.S.T. und Thomas Markusson spielt Kontrabass.

 

JP: Wie hat sich die Jazzszene seit Ihren musikalischen Anfängen in den 80er Jahren bis heute verändert?

 

WL: Die Struktur ist dieselbe geblieben. Rund 90 % der Jazzclubs in Deutschland werden von Vereinen geleitet. Das Ziel eines Clubs ist auch das gleiche geblieben, nämlich mit guten Acts ein breites Publikum zu erreichen. Das macht z.B. die Unterfahrt in München perfekt, dort gibt es auch eine gute Mischung aus lokaler Szene und internationalen Acts.

 

Was sich verändert hat, ist, dass die vielen guten jungen Musiker selber eigene Bands gründen. Aufgrund der Vielzahl von Talenten reicht es aber nicht aus, nur gut zu sein und Standards zu spielen. Man muss musikalisch etwas zu sagen haben. Wenn man das nicht macht, dann interessiert es nur wenige Menschen, was man macht.

 

Früher nahmen einen die älteren Musiker in ihre Bands auf und so lernten junge Musiker die Clubbesitzer kennen. Das gibt es heute kaum noch.

 

JP: Hören Sie viel Jazz?

 

WL: Ja, ich höre sehr viel Jazz,  normalerweise während eines bestimmten Zeitabschnitt nur einzelne Künstler oder eine bestimmte Stilistik. Aktuell höre ich verschiedenste ECM-Künstler, auch die Jungen. Musik, die mich nicht emotional berührt, interessiert mich nicht.

 

JP: Wie sehen Sie die Zukunft des Jazz nach der Corona-Zeit?

 

WL: In der Corona-Zeit kamen verstärkt die Livestreams auf. Ich habe in der Unterfahrt drei Konzerte gespielt. Es waren meine bestbezahlten Gigs, denn es gab eine Festgage und die Leute haben reichlich gespendet. Doch Livestreams ohne Publikum lassen mich als Zuseher kalt. Wer tut sich das an und sieht sich ein ganzes Konzert am Computer an? Es fehlt die Atmosphäre. Ich bin in der Frage also zwiegespalten.

 

Ich sehe kein Clubsterben in Deutschland, denn wie bereits erwähnt, durch die ehrenamtliche Organisation und die oft geringen Raummieten und bereits erhaltenen Hilfen durch den Staat sind die Clubs hier in Deutschland gut aufgestellt. Das sieht anders aus bei den vielen privatwirtschaftlichen Clubs in Japan oder auch in den USA. Der Jazz wird auch im Vergleich zu den letzten Jahren vom Staat besser gefördert und hat den Stellenwert von Klassik diesbezüglich erreicht.

 

Die größere Gefahr ist momentan, dass es sich die Leute mit den Livestreams gemütlich machen und aus Angst oder Bequemlichkeit die Konzerte nach Corona meiden.

 

JP: Was sind Ihre nächsten Projekte?

 

WL: Die nächste CD wird wieder eine von Trio Elf sein, die im Januar 2021 erscheint. Aktuell probe ich mit dem Gitarristen Philip Schiepek ein Duo-Projekt mit akustischer Gitarre und Piano, da wird es sicher ein paar Gigs geben. Ich hoffe auf eine Japan-Tour mit meinem Trio im Herbst nächsten Jahres.

 

JP: Danke für Ihre Zeit!

 

WL: Vielen Dank für Ihre schönen Fragen.

 

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