Tuija Komi Interview

Tuija Komi Interview

Wie meine Leser mittlerweile wissen, ist auch München neben Stuttgart meine Heimat. Ich fahre sehr gerne in die Stadt, denn die hat auch jazzmäßig viel zu bieten. Eine besondere Künstlerin ist die in München lebende finnische Jazzsängerin Tuija Komi. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete Tuija mal als „eine echte finnische Jazz-Diva.“

 

Die meisten kennen Tuija Komi durch ihren Auftritt bei „The Voice of Germany“, als sie „Close To You“ sang, doch Tuija ist eine sehr vielseitige und interessante Person.

Tuija lebt seit 1995 in Deutschland und arbeitete viele Jahre als Projektmanagerin. Seit 2009 nimmt Tuija in regelmäßigen Abständen CDs auf. Als Solokünstlerin hat sie bereits fünf CDs aufgenommen. Über ihre neue CD „Midnight Sun“ (Chaos / Bauer Studios) habe ich Anfang Oktober in München mit Tuija ein Interview geführt. Wir unterhielten uns auch über ihren Werdegang und Jazz in München.

Leider war die Uhrzeit noch sehr früh am Tag, daher konnte ich leider nur ein Foto von der finnischen Mumin-Tasse von Tuija machen.

© Aleksej Schicke , Stuttgart // Tuija Komi / 2018
© Aleksej Schicke , Stuttgart // Tuija Komi / 2018

Mehr über Tuija könnt ihr auf ihrer Seite erfahren:

http://www.tuijakomi.de/.

Die neue CD „Midnight Sun“ könnt ihr hier erwerben:

https://www.amazon.de/Midnight-Sun-Tuija-Komi/dp/B07H62NZDY/ref=tmm_acd_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1540151341&sr=8-3.

Jazzreporter: Hallo Tuija, danke für deine Zeit für jazzreporter.com. Wie kamst du zum ersten Mal mit Musik in Berührung?

Tuija Komi: Ich kann mich daran nicht exakt erinnern, habe aber dazu ein paar Bilder im Kopf. Ich kann mich an ein Foto erinnern, auf dem ich mit fünf oder sechs Jahren ein Weihnachtslied singe als der Weihnachtsmann uns Zuhause besuchte. Dann kann ich mich erinnern, dass mein Opa ein finnisches Akkordeon gespielt hat und ich habe beim Spielen dazwischen gedrückt. Im Radio habe ich öfters als Kind verschiedene Lieder gehört und dazu gesungen. Und auch viele Songs auf Kassetten aufgenommen. Der Tango war damals sehr populär.

Als Dreizehnjährige habe ich an verschiedenen Gesangswettbewerben erfolgreich teilgenommen.

JP: Wie bist du zum Jazz gekommen?

TK: Das war mit 19 oder 20 Jahren, da habe ich an einem Gesangsworkshop teilgenommen. Auf dem Workshop waren verschiedene Jazzmusiker als Dozenten dabei. Am Abend haben wir gejammt. Der eine Bandleiter hatte mich dann gefragt, ob ich Lust hätte in seinem Profi-Quintett zu singen und aufzutreten. Ich habe mich sofort in den Jazz verliebt! Es ist eine gigantische Musik. Kurze Zeit später kaufte ich mir Vinyl-Platten von Ella und Frank und sang dazu.

JP: Was sind deine Vorbilder?

TK: Wie oben schon erwähnt waren das Ella und Frank in den ersten Jahren. Ich mag auch sehr gerne Dianne Reeves, die Schwedin Ida Sand oder Solveig Slettahjel aus Norwegen. Am Anfang mochte ich auch Diana Krall, aber die ist mir zu langweilig geworden. Von den aktuellen Sängern gefallen mir Gregory Porter und Kurt Elling sehr gut.

Auch Black Music ist mir sehr wichtig, so finde ich u.a. Stevie Wonder und Sade grandios und viele andere auch!

JP: Wie war damals die Jazzszene in Finnland, als du aufgewachsen bist?

TK: Es gab damals wesentlich weniger Musiker, denn es gab auch noch nicht so viele Möglicheiten Jazz zu studieren, wie überall in der Welt.  Es gab schon Auftrittsmöglichkeiten, insbesondere durch die Festivals. So richtige Jazzclubs gab es noch nicht so viele damals in Finnland.

Swing und Tanzmusik war hingegen sehr populär, was aber nur zum Teil Jazz ist.

JP: Wie bist du zu dem Albumtitel „Midnight Sun“ gekommen?

TK: Midnight Sun bezieht sich auf mein Heimatland Finnland. Die Sommer sind lang hell, „die nachtlosen Nächte“ und die Winter dunkel, das prägt das Land und sie Menschen. Die erste Idee war, das Album „Meet Me In The Midnight Sun“ zu nennen, aber das ist für einen Albumtitel zu lang. Es ist jedes Mal auch ein langer und schwieriger Prozess, um auf einen zutreffenden Albumtitel zu kommen.

© Klaus-Dieter Klein , München // Tuija Komi CD "Midnight Sun" / 2018
© Klaus-Dieter Klein , München // Tuija Komi CD "Midnight Sun" / 2018

 JP: Wie hast du die Titel ausgewählt?

 

TK: Das war auch ein langer Prozess. Ich wollte eine spannende und facettenreiche Mischung von Songs die ich mag auf dem Album haben: Jazz, Latin, Pop, Soul und R ‚n B auch Tango und World Music. Musik ist vielseitig, genauso vielseitig wie das Leben. Es ist auch für das Publikum schön, wenn es verschiedene Farben und Stimmungen hört. Es ist wie eine Achterbahnfahrt der Emotionen.

Für die CDs habe ich bewusst kaum Standards gewählt, denn es gibt auch schöne Popstücke wie „Thank you for the music“, die man verjazzen kann. Ich mag Leute überraschen und herausfordern, denn der Jazz ist genauso. Es gibt im Jazz kein Schwarz und Weiß. Die Leute müssen mich in mehrere Schubladen stecken, wenn sie es tun mögen. Am zutreffendsten ist es mit der „Tuija-Schublade“ –(sie lacht)

JP: Was macht für dich das Besondere aus an dieser Triobegleitung?

TK: Ein Trio hat nicht zu viel Schnick-Schnack. Ich möchte, dass die Musik, die ich aufnehme,auch live möglichst ähnlich klingt. Insbesondere so ein Pianist wie der Walter Lang kann gut begleiten und virtuos Solo spielen. Es gibt nicht allzu viele Jazzpianisten, die beides gut können.

JP: Wie sind die Arrangements entstanden?

TK: Ich habe meine Ideen Walter Lang gegeben, der es musikalisch dann für mich umgesetzt hat. Die CD sollte ja nach Tuija klingen. Das funktioniert nur, wenn man sich gut kennt. Walter und ich spielen schon seit 2012 zusammen.

Bei „Thank you for the music“ und „Music is the magic“ gibt es zwei kleine Interludes, die von mir sind.

JP: Dusko Goykovich spielt hier als Gast. Wie hast du ihn kennengelernt?

TK: Dusko habe ich im Konzert in München kennengelernt. Seine eigenen Kompositionen haben mich tief berührt. Ich mag vor allem die Komposition „Five o´clock in the morning“. Ich sagte das Dusko und er hat mich gebeten, dazu einen finnischen Text zu schreiben. Das ist auf meiner letzten CD „Something“ zu hören. Ich treffe mich immer wieder und gerne mit Dusko, er hat auch oft gute Vorschläge und Ideen für mich.

Das zweite Stück von Dusko, zu dem ich den Text geschrieben habe, heißt Samba Tzigane. Diese wunderschöne und ansprechende Komposition haben wir ja eben jetzt aufgenommen. Ich freue mich immer noch riesig, dass Dusko auch bei der Aufnahme ein ganz tolles Solo gespielt hat.

Er ist ein Meister mit viel Respekt und hat eine sehr gute Melodieführung. Dies kommt mir als Sängerin entgegen, denn für mich ist die Melodie naturgemäß sehr wichtig.

JP: Einer breiteren Öffentlichkeit bist aus der Sendung „Voice of Germany“ bekannt. Kannst du mir dazu was sagen?

TK: Es war eine interessante Erfahrung. Ich bin offen in die Sendung reingegangen. Leider wurden viele Kommentare rausgeschnitten. Ich bin denen wohl zu gut. Ich wollte zeigen, wer ich bin und dass ich eine Meinung habe. Sie wollen eher die jungen Teilnehmer zu Produkten formen. Ich bin hingegen schon ein etwa fertiges „Produkt“.

JP: Du wohnst ja in München. Was ist deine Meinung zur Jazzszene in München?

TK: Ich bin sehr froh, dass wir die Unterfahrt haben. Es ist mein zweites Wohnzimmer, bei der ich auch gern als Gast hingehe. Ich trete gerne auch im Künstlerhaus am Lenbachplatz auf.

München hat aber so viele gute Musiker, daher wäre es schön, wenn wir hier noch einen zweiten Club hätten mit wöchentlichen Auftrittsmöglichkeiten. Es wäre eine Bereicherung für die Stadt. Ich habe auch gehört, dass ihr in Stuttgart die tolle Jazzopen habt, auch so ein Jazzfestival wäre schön für die Stadt. Wir Musiker würden uns darüber wirklich sehr freuen.

JP: Was sind deine weiteren Projekte? Sind Jazz Festival Auftritte auch geplant?

TK: Ja, meine Release-Tour geht weiter und im nächsten Jahr gibt es viele Auftritte, auf Festival- und Konzertbühnen.

Ich habe auch ein tolles Duo JAZZANGO mit dem virtuosen moldawischen Akkordeonisten Vlad Cojocaru. Letztes Jahr ist unser Album „Satumaa“ (Mörchenland) bei ENJA RECORDS erschienen. Zu hören hier: www.jazzango.de

JP: Danke für deine Zeit für Jazzreporter.com!

TK: Sehr gerne, war sehr angenehm, mit dir zu reden.

© Klaus-Dieter Klein , München // Tuija Komi / 2018
© Klaus-Dieter Klein , München // Tuija Komi / 2018

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